Google Fotos verlassen: Warum ich mich gegen Self-Hosting und für Europa entschieden habe

Mal eben den E-Mail-Anbieter wechseln, ist gefühlt einfach. Bei Fotos ist das anders. Fotos sind nicht einfach nur Dateien. Da hängen Erinnerungen dran. Urlaube, Kinder, Familienmomente, alte Screenshots, lustige Zufallsbilder und dieser ganze digitale Kleinkram, den man über Jahre einfach sammelt.
Google Fotos verlassen: Warum ich mich gegen Self-Hosting und für Europa entschieden habe

Mal eben den E-Mail-Anbieter wechseln, ist gefühlt einfach. Bei Fotos ist das anders. Fotos sind nicht einfach nur Dateien. Da hängen Erinnerungen dran. Urlaube, Kinder, Familienmomente, alte Screenshots, lustige Zufallsbilder und dieser ganze digitale Kleinkram, den man über Jahre einfach sammelt.

Google Fotos war einer der größten Brocken in meinem De-Googling-Prozess und offen gesagt der emotionalere. Dagegen ist der Umzug von E-Mails ein echtes Kinderspiel.

Bei Mails denkt man noch relativ schnell: Okay, Postfach exportieren, Clienten mit IMAP neu einstellen, und neuen Anbieter auf seine Bedürfnisse einrichten, Domains umziehen, fertig. Natürlich ist auch das nicht ganz so einfach, aber es fühlt sich zumindest greifbar an.

Bei Fotos ist das anders. Fotos sind nicht einfach nur Dateien. Da hängen Erinnerungen dran. Urlaube, Kinder, Familienmomente, alte Screenshots, lustige Zufallsbilder und dieser ganze digitale Kleinkram, den man über Jahre einfach sammelt. Viele dieser Bilder schaut man vielleicht jahrelang nicht an, aber trotzdem möchte man sie nicht verlieren. Und man möchte sie erst recht nicht irgendwo vergessen, weil die eigene Bastellösung irgendwann nicht mehr startet.

Genau deshalb war Google Fotos für mich der Punkt, bei dem ich mir die meisten Gedanken gemacht habe. Damals habe ich mich bewusst gegen Appel entschieden, da Fotos teilen mit der Familie so viel einfacher war.

Self-Hosting oder SAAS nutzen?

Relativ früh stand ich vor der klassischen Frage: Baue ich mir das Ganze selbst, oder nutze ich wieder einen fertigen Dienst?

Bei der Recherche bin ich schnell auf Immich gestoßen, ein Open Source Tool, das in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden ist und sich in der Nutzung stark an Google Fotos orientiert. Also genau an dem, was meine Familie und ich ohnehin schon kennen. Das klang erst einmal perfekt.:

Ich habe bereits einen Hetzner-Server im Dienst, sowie ein NAS zu Hause. Docker ist für mich kein Fremdwort. Rein technisch hätte ich also durchaus sagen können: Komm, ich setze mir Immich selbst auf, ziehe die Daten rüber und bin damit komplett unabhängig.

Und genau an dieser Stelle musste ich ehrlich zu mir selbst sein.

Self-Hosting ist cool, aber nicht immer die beste Antwort

Ich mag Dinge selber zu verwalte und nutze in einigen Teilen meines Lebens auch Self-Hosting. Es gibt viele Fälle, in denen es absolut sinnvoll ist, mehr Kontrolle, besseres Verständnis der eigenen Infrastruktur, keine Abhängigkeit vom nächsten Anbieter. Gerade im De-Googling-Kontext klingt das natürlich nach der saubersten Lösung.

Aber ich kenne mich.

Das initiale Setup bekomme ich meistens noch hin. Server vorbereiten, Docker-Container starten, Volumes einrichten, Domain drauflegen, SSL aktivieren, das ist nicht der Punkt. Der Punkt kommt später.

Irgendwann gibt es ein Update von z.b. Immich und irgendein Container startet nicht sauber. Eine Datenbank zickt. Und dann sehe ich mich schon an einem Samstagabend mit geöffnetem Terminal, während ich eigentlich Zeit mit meiner Familie verbringen wollte.

Genau das wollte ich nicht. Bei einem kleinen Testprojekt ist das okay. Aber bei den Familienfotos der letzten Jahrzehnte möchte ich keine Lösung, bei der ich am Ende selbst der Support bin.

Warum PixelUnion für mich die Antwort war

Bei der weiteren Suche bin ich auf PixelUnion gestoßen, ein Dienst aus den Niederlanden, der sich klar als datenschutzfreundliche Alternative zu Google Fotos positioniert. Damit war ein wichtiger Punkt erfüllt: raus aus dem US-Ökosystem, rein in einen europäischen Anbieter.

Dazu bietet PixelUnion ein eigenes Migrationstool an. Gerade bei Google Fotos ist das kein kleiner Punkt, man zieht nicht ein paar einzelne Dateien um, sondern Jahre voller Erinnerungen. Und der Preis war für mich absolut in Ordnung:

Das Einrichten des Accounts geht schnell. Ein paar Minuten, fertig. Was mit besonders gut gefällt, ist die Duplikatserkennung. Da habe ich aktuell noch über 1000 Bilder zu prüfen:

Ein Rechenzentrum schlägt das heimische NAS

Ein Punkt wird beim Thema Self-Hosting oft unterschätzt: die Infrastruktur dahinter. Mein NAS steht im Arbeitszimmer. Ein professionelles Rechenzentrum hat physische Sicherheit, Notstrom, Klimatisierung, Monitoring und echte Backup-Strategien.

Und wenn bei uns wirklich mal die Hütte brennt, dann schnappe ich mir meine Kinder und meine Frau. Nicht das NAS!

Wer Fotos zu Hause auf eigenen Systemen betreibt, muss sich ernsthaft Gedanken über Backups machen. Die 3-2-1-Regel ist hier kein Nerd-Konzept, sondern plötzlich ziemlich real. Das kann man machen, aber man muss es dann auch wirklich mit Backup-Konzept machen.

💡
3-2-1-Regel
Drei Kopien, zwei unterschiedliche Medien, eine Kopie außer Haus.

Google Takeout: der erste Geduldstest

Der eigentliche Umzug begann mit Google Takeout. Erster Schritt: den Export auf Fotos begrenzen, damit nicht der komplette Google-Daten-Haufen landet.

Google brauchte dann allein rund zwei Tage, um mir meine Daten bereitzustellen. Am Ende: knapp 400 GB in mehreren ZIP-Dateien. Da sind Bilder von 2000 drin

Und dann kam das erste kleine Problem: Mein Mac hatte nicht genug freien Speicher für die Downloads. Also kurz bei Media Markt vorbeigeschaut, tatsächlich 5 Euro günstiger als auf Amazon, und ich hatte die SANDISK SSD* sofort in der Hand, statt auf Prime warten. Klar, eine HDD wäre günstiger, mir ging es jedoch um Geschwindigkeit um zumindest etwas Zeit einsparen zu können.

💡
Klickst du auf einen mit * gekennzeichneten Link, unterstützt du diesen Blog. Falls du dich für einen Kauf beim Anbieter entscheidest, erhalten wir eine Provision. Auf die redaktionelle Bewertung hat das keinen Einfluss.

Wer Kinder hat, weiß sofort, was das bedeutet. Mit Smartphone und Kindern steigt die Anzahl der Fotos nicht linear, sondern gefühlt exponentiell. Jedes Ereignis mehrfach fotografiert, jede lustige Situation festgehalten, dazu Screenshots, Videos, Serienaufnahmen. 400 GB klingen abstrakt – beim Download, Entpacken und Hochladen merkt man schnell, dass das kein Nachmittagsprojekt ist.

Das Migrationstool und der Upload

Nach dem Download des Google-Teakouts kommt der nächste Schritt: den API‑Schlüssel bei PixelUnion generieren und das Migrationstool starten.

Es gibt hier 2 Optionen welche im eigenen HilfeDoc bei PixelUnion beschrieben werden. Ich selbst habe das Migrationstool (ist in Beta) genutzt. Leider habe ich erst mitten im Prozess bemerkt, dass man auch immich-go (CLI) hätte benutzen können.

Laufende Migration und ihre Tücken

Am Anfang habe ich gleich alle 37 ZIP Dateien ausgewählt und eine Session über Nacht laufen lassen. Das ging nur dank, Amphetamine am Mac:

Amphetamine‑App – App Store
Lade „Amphetamine“ von William Gustafson im App Store herunter. Sieh dir Bildschirmfotos, Bewertungen und Rezensionen, Benutzertipps und weitere Apps wie „…

Bedauerlicherweise wurde ich dann frühmorgens mit einem Fehler begrüßt. Für mich bedeutet das einfach einen "Session TimeOut". Das ist ein Sicherheitsfeature, was völlig normal ist. Nur leider passte das nicht so in meinen eigenen Migrationsplan passte.

💡
Tipp:
Browser nicht schließen! Einfach das Browserfenster neu laden, die Daten wurden auf den Server übertragen und ich musste nur die Migration an sich starten.

Etwas irritierend fand ich den grünen Button:

  • Migration starten (nach allen Uploads)

Das suggerierte mir, dass ich den kompletten Takeout hochladen müsste. Hier half eine Rückfrage beim Support für Klarheit:

Mit dieser neuen Information begann ich einfach "Stück-für-Stück" in kleinen Batches weiterzumachen. Das funktionierte super, auch wenn es natürlich im Gegenzug zeitaufwendiger war. #safteyfirst

Und dann natürlich: Internet in Deutschland. Ich wusste vorher, dass der Upload Zeit benötigen würde. Trotzdem ist es etwas anderes, wenn man wirklich mehrere hundert Gigabyte bewegt und merkt, dass der eigene Anschluss dabei zur Bremse wird.

Also lief das Ganze nicht in einem Durchgang. Ich habe die Daten Stück für Stück entpackt und hochgeladen – teilweise über Nacht, teilweise über mehrere Abende hinweg. Nicht elegant. Aber es hat funktioniert.

Ende einer "Teil"migration

Nach jeder Migration erhält man ein Ergebnis. Ich habe immer auf „Migration abschließen“ geklickt, da ich mir sicher bin, dass bei dem orangen Button alle Bilder wieder verschwinden. Das bedeutet natürlich, dass ich für jedes Batch auch schnell noch ’nen API‑Key generieren musste. Das geht wirklich fix und problemlos.

Die Bilder und Videos aus den ZIP Archiven werden dann auch nach einer kurzen Zeit korrekt in Immich dargestellt.

Der verwendete Speicherplatz wird offenbar nur einmal am Tag berechnet. Hier also nicht irritieren lassen. In den Einstellungen sieht man auch aktiv, was gerade im Backend passiert. Das finde ich wirklich „nice“. Man sieht also schnell, dass es kein Fehler ist, sondern dass das System noch arbeitet.

Die Immich-App und warum die ganze Familie mitmacht

Nach der Migration kam die eigentliche Frage:

Funktioniert das auch im Alltag?

Für mich allein wäre das noch relativ einfach zu beantworten. Aber wer eine Familie umzieht, weiß: Wenn die App nervig ist, wird sie nicht benutzt. Punkt.

Kurze Antwort: PixelUnion steht Google Fotos in der Nutzung in nichts nach. Die Weboberfläche ist aufgeräumt, die mobile App funktioniert zuverlässig und der automatische Upload im Hintergrund läuft einfach, genau so, wie man es von Google gewohnt war.

Was mich dabei am meisten überrascht hat, ist das Familienmodell. Ich kann meine Frau und die Kinder direkt in meinen Account einladen. Jeder bekommt dabei einen eigenen Bereich mit eigenem Speicherkontingent,ich sehe ihre Fotos nicht, sie sehen meine nicht. Trotzdem läuft alles unter demselben Tenant, was bedeutet: keine separate Zahlungsmethode für jeden, keine fünf verschiedenen Accounts, keine Verwaltung quer durch mehrere Logins.

Es gibt zwar auch eine Partner-Sharing-Funktion, bei der komplette Alben gegenseitig geteilt werden. Ich habe das bewusst nicht genutzt, weil es in der Web- und Mobilansicht zu Dopplungen führt, und weil ich nicht versehentlich etwas löschen wollte, das meiner Frau gehört.

Jeder hat also seinen eigenen Tanzbereich, aber alle zahlen über einen gemeinsamen Topf. Der einzige Punkt, den man dabei im Blick behalten sollte: der Speicher. Wenn mehrere Personen aktiv Fotos hochladen, läuft das Kontingent schneller voll, als man denkt. Ich werde demnächst auf 1 TB upgraden, bei dem Preis ist das aber kein Drama, um sicher zu schlafen.

Mein Fazit

Für mich war der Wechsel von Google Fotos nicht nur eine technische Migration. Es war der Moment, in dem ich gemerkt habe, wie emotional manche Daten eigentlich sind. E-Mails sind wichtig. Dokumente auch. Aber Fotos fühlen sich anders an.

Deshalb wollte ich hier keine Lösung, bei der ich theoretisch maximale Kontrolle habe, praktisch aber ständig selbst für Wartung und Backups verantwortlich bin. Self-Hosting bleibt spannend, aber für meine Familienfotos wollte ich aktuell weniger Bastelprojekt und mehr Alltag.

Nicht weil das perfekt ist. Sondern weil es für meinen Alltag gerade die bessere Mischung aus Kontrolle, Datenschutz und Komfort ist.

Im nächsten Teil geht es um meinen E-Mail-Umzug und warum der Wechsel weg von Gmail am Ende noch mehr Arbeit war als die Fotos.

Bonus: Google Fotos komplett löschen

Noch nicht ganz fertig: Google Fotos und Drive aufräumen

Wer wie ich sein Gmail-Konto nicht direkt komplett löschen kann, weil es noch als technische Brücke für Kalender und SSO-Logins dient, muss Google Fotos und Drive manuell aufräumen. Ich wechsle von einem bezahlten Google-One-Abo in den kostenlosen Modus, also muss der Speicher deutlich reduziert werden.

Mein Tipp dabei: Nicht sofort alles löschen. Erst ein paar Wochen warten, stichprobenartig prüfen, ob wirklich alles sauber bei PixelUnion angekommen ist und im Zweifel den Google Takeout als Backup behalten. Der liegt bei mir noch auf der externen SSD und bleibt dort erstmal liegen.

Google Fotos löschen: kein offizieller Weg, aber ein guter

Google Fotos selbst bietet keine Funktion, um alle Fotos auf einmal zu löschen. Das ist natürlich kein Zufall, Stichwort Vendor Lock-in. Wer geht, soll es sich möglichst schwer machen müssen.

Auf GitHub gibt es aber ein einfaches Tool das genau das erledigt und das auch Nicht-Techniker problemlos nutzen können.

Die Anleitung auf github.com/mrishab/google-photos-delete-tool ist übersichtlich, der Prozess läuft im Browser und man muss nichts installieren. Einfach der Anleitung folgen, etwas Geduld mitbringen und die Fotos verschwinden Stück für Stück. Kein Hexenwerk, aber ein Schritt, den man bewusst erst dann machen sollte, wenn man wirklich sicher ist, dass alles woanders sicher liegt.

GitHub - mrishab/google-photos-delete-tool: Tool for deleting all photos from the Google Photos
Tool for deleting all photos from the Google Photos - mrishab/google-photos-delete-tool

Speichermanager zum löschen nutzen

Unter https://one.google.com/storage/management zeigt Google oft direkt:

  • große Videos
  • Screenshots
  • unscharfe Fotos
  • sonstige Platzfresser

Damit lassen sich manchmal schon viele GB freiräumen.

Chrome Plugins um Google Fotos zu löschen

Folgende Optionen habe ich noch im Netz gefunden, konnte sie aber selber nicht testen. Wichtig ihr gebt hier Drittanbietern vollen Google Fotos Zugriff.

Bulk Select Google Photos - Chrome Web Store
Select multiple photos on Google Photos with just one click and then bulk delete, download, archive, share etc.
Google Photos Bulk Delete - Chrome Web Store
Bulk delete all photos in Google Photos with ease.

Und was nutzt ihr?

Ich bin gespannt, wie andere das lösen, ob jemand Immich produktiv betreibt und wie das im Familienalltag wirklich funktioniert, oder ob es noch andere europäische Alternativen gibt, die ich noch gar nicht auf dem Schirm hatte.

Schreibt es gerne in die Kommentare: Self-Hosting-Fan, zufriedener Nutzer eines anderen Dienstes, oder noch mittendrin im Umzug –> ich lese alles.

Lese mehr Beiträge von diesem Autor
André Nünninghoff

André Nünninghoff

"Alle sagten: Es geht nicht. Da kam einer, der das nicht wusste und hat es einfach gemacht." - Goran Kikic

Dein Guide zu den besten Produktivitäts-Apps & Tools

Guides, Tests, Videos, Tutorials und Bewertungen zu den besten Tools für Arbeit & Privatleben

Guide durchsuchen
ToolGui.de | Dein Guide zu den besten Produktivitäts-Apps und Tools

Toll! Du hast Dich erfolgreich angemeldet.

Willkommen zurück! Du hast Dich erfolgreich angemeldet.

Du hast dich erfolgreich bei ToolGui.de | Dein Guide zu den besten Produktivitäts-Apps und Tools angemeldet.

Erfolg! Überprüfen Deine E-Mail auf einen magischen Link zur Anmeldung.

Erfolg! Deine Rechnungsdaten wurden aktualisiert.

Deine Abrechnung wurde nicht aktualisiert.