Raus aus Google und den USA: Ein Projekt, das ich unterschätzt habe

Google war für mich über viele Jahre einfach da. Nicht bewusst genutzt, nicht aktiv hinterfragt. Sondern ungefähr so wie Strom aus der Steckdose oder WLAN zuhause: Es funktionierte einfach, also dachte ich nicht weiter darüber nach.
Raus aus Google und den USA: Ein Projekt, das ich unterschätzt habe

Google war für mich über viele Jahre einfach da. Oft genutzt, nicht aktiv hinterfragt. Sondern ungefähr so wie Strom aus der Steckdose oder WLAN zu Hause: Es funktionierte einfach, also dachte ich nicht weiter darüber nach.

Eine E-Mail-Adresse seit gefühlt einer Ewigkeit. Fotos automatisch synchronisiert. Kalender, Kontakte, Dokumente, Browser, Smartphones – alles lief im Hintergrund sauber zusammen, ohne dass ich irgendetwas dafür tun musste. Und genau deshalb denkt man lange gar nicht darüber nach, wie tief man eigentlich bereits in diesem Ökosystem steckt.

Bis man eines Tages versucht, es wieder zu verlassen.

Der Gedanke dahinter

Ich fange mit dem an, was diese Geschichte nicht ist: ein Datenschutz-Wutanfall.

Denn ich glaube nicht, dass morgen plötzlich mein Account verschwindet oder Google anfängt, meine Mails an irgendwelche dubiosen Stellen weiterzuleiten.

💡
Hinweis:
US-Unternehmen können unter Gesetzen wie dem CLOUD Act verpflichtet werden, Daten an Behörden herauszugeben. In bestimmten Fällen dürfen Anbieter Nutzer darüber nicht einmal aktiv informieren.

Aber wir leben gerade in einer Zeit, in der sich Dinge schneller verändern als noch vor ein paar Jahren. Politische Entscheidungen in den USA, internationale Spannungen, Plattformregeln, das alles wirkt plötzlich deutlich realer als früher. Und eines Tages kam bei mir einfach der Gedanke auf:

Vielleicht ist es keine besonders kluge Idee, sein komplettes digitales Leben an genau einen Anbieter zu hängen und dann noch an einen, dessen Server, Gesetze und politische Realität tausende Kilometer entfernt liegen.

Ich wollte digital etwas unabhängiger werden. Nicht komplett anonym, nicht paranoid, einfach ein kleines Stück resilienter.

Google ist extrem gut. Genau das ist das Problem.

Das Interessante dabei: Google macht fast alles unglaublich bequem. Ein Login und plötzlich funktioniert alles Gmail, Fotos, Drive, Android, Chrome, YouTube, Kalender, und das alles synchronisiert über sämtliche Geräte hinweg. Ich glaube, genau deshalb bleiben so viele Menschen dort. Mich eingeschlossen.

Das ist nicht mal als Kritik gemeint. Das System funktioniert exakt so, wie es gedacht ist. Bequemlichkeit sorgt dafür, dass Menschen bleiben – und je länger man bleibt, desto tiefer wächst man hinein.

Der schwierige Teil ist nicht der Export

Vor dem Wechsel dachte ich offen gesagt:

„Gut, dann exportiere ich halt meine Daten und ziehe um."

In der Realität ist der technische Export oft sogar der einfachste Teil.

Wirklich schwierig wird es erst bei den Dingen, die man über Jahre automatisiert hat gespeicherte Passwörter, Kalender-Synchronisation, Foto-Backups, alte Accounts, Browserdaten, Apps mit Google-Anbindung. Man merkt erst beim Versuch zu gehen, wie tief Google mittlerweile in alltägliche Abläufe integriert ist. Was ich für eine einmalige Nachmittagsaktion gehalten hatte, wurde damit zu einem echten Projekt. Nicht unbedingt technisch kompliziert, aber zeitaufwendig auf eine Art, die ich unterschätzt hatte.

Kostenlos ist selten wirklich kostenlos, auch wenn man dafür bezahlt

Ich war nie jemand, der kostenlose Dienste nutzt und sich danach über Datenschutz beschwert. Privat hatte ich sogar vor dem Wechsel, ein Google-One-Abo (seit 2018) für 99 € pro Jahr:

Beruflich zusätzlich noch Google Workspace für rund 16 € monatlich:

Hier sieht man auch gut, wie sich mit den Jahren die Kosten von eMail, Kalender und Drive plötzlich hinentwickeln. Damals, 2019, hieß es noch G Suite und ich hatte wirklich nur das, was ich für meine Selbstständigkeit benötigte. Heutzutage zahle ich weitaus mehr für einen, wie ich finde, sehr aufgeblähten Dienst (wenn man nicht alle Features nutzt):

Trotzdem bleibt die Realität: Google analysiert Daten und verbindet Dienste miteinander, um daraus möglichst komfortable Funktionen zu bauen. Antwortvorschläge in Gmail, intelligente Suche, automatische Erinnerungen, das funktioniert alles beeindruckend zuverlässig. Aber es funktioniert nur deshalb so gut, weil ein einzelner Anbieter möglichst viel über dein digitales Leben versteht.

Für viele Menschen ist das völlig okay. Für mich persönlich kam irgendwann der Punkt, an dem ich wieder etwas mehr Kontrolle zurückhaben wollte. Weniger Abhängigkeit, transparentere Anbieter, eine bessere Trennung meiner Daten.

Kein Zero-Knowledge-Ansatz für jeden einzelnen Dienst, mein persönliches Bedrohungsszenario ist ehrlich gesagt viel zu langweilig für sowas. Aber zumindest nicht mehr alles an einem einzigen Ort, irgendwo auf einem Server in den USA.

Der fast schon ironische Zeitpunkt

Fast passend: Genau während ich angefangen hatte, diese Artikelserie zu schreiben, trudelte eine Mail von Google rein, Stichwort neue Einwilligungen zur Verknüpfung verschiedener Dienste im Rahmen europäischer Regelungen:

Und ich saß da und dachte: Vielleicht möchte ich gar nicht, dass alles perfekt miteinander verbunden ist. Vielleicht ist ein bisschen Reibung manchmal sogar gesund.

Was in den nächsten Teilen kommt

Ich stecke gerade mittendrin. Ich exportiere Daten, recherchiere neue Dienste, migriere Postfächer, kämpfe mit Login-Problemen und stelle dabei fest, wie selbstverständlich ich vieles davon als gegeben hingenommen hatte.

In den nächsten Teilen wird es deutlich konkreter: Ich schreibe über meinen Wechsel von Gmail zu Fastmail, den Umzug von Google Drive zu pCloud, meine Suche nach einer Google Foto Alternative und die überraschend nervige Sache mit Google-SSO-Logins, bei denen man die hinterlegte Adresse manchmal gar nicht sauber ersetzen kann.

Was mich dabei am meisten beschäftigt hat: Heute würde ich deutlich weniger Dienste über „Mit Google anmelden" registrieren, nicht weil SSO grundsätzlich schlecht ist, sondern weil man damit wieder genau die Abhängigkeit aufbaut, die man eigentlich auflösen wollte. Nur mit einem anderen Logo.

Aber das erzähle ich im nächsten Teil. #stayhungry

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André Nünninghoff

André Nünninghoff

"Alle sagten: Es geht nicht. Da kam einer, der das nicht wusste und hat es einfach gemacht." - Goran Kikic

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