Von Gmail zu Fastmail und was ich dabei über digitale Abhängigkeit gelernt habe

Gmail zu verlassen, war mein erster großer Schritt im De-Googling-Prozess. Einen Tag für Einrichtung, Migration und Testing, am zweiten Tag dann noch ein paar Anpassungen hier und da. Und das Timing passte eigentlich ganz gut.
Von Gmail zu Fastmail und was ich dabei über digitale Abhängigkeit gelernt habe

Gmail zu verlassen, war mein erster großer Schritt im De-Googling-Prozess. Einen Tag für Einrichtung, Migration und Testing, am zweiten Tag dann noch ein paar Anpassungen hier und da. Und das Timing passte eigentlich ganz gut: Während ich auf meinen Google Takeout für die Fotos gewartet habe, war die Mail-Migration quasi schon durch.

E-Mail-Adressen begleiten viele Menschen mittlerweile über Jahrzehnte. Meine erste Adresse habe ich damals 2007 bei Google erstellt. Seitdem hängt daran gefühlt mein halbes digitales Leben. Alte Accounts, Rechnungen, Registrierungen, private Gespräche, Kontakte und wahrscheinlich irgendwo noch ein Forum-Login aus einer Zeit, in der man im Internet noch blinkende Signaturen hatte.

Genau deshalb war mir beim Wechsel wichtig, nicht einfach irgendeinen Anbieter zu nehmen, sondern einen Dienst, bei dem ich mir vorstellen kann, dort wieder viele Jahre zu bleiben.

Warum Fastmail überhaupt auf meiner Liste gelandet ist

Bei der Recherche tauchten natürlich sofort die üblichen Namen auf: Proton, Tuta, Mailbox.org, Posteo und einige weitere. Ich habe mir viele Erfahrungsberichte angeschaut und vor allem zwei YouTube-Videos, die ich euch hier direkt verlinke. Das erste ist ein sehr ausführlicher und gut gemachter Vergleich zwischen Proton, Tuta und Fastmail –> wer sich vorab tiefer damit befassen will, sollte dort anfangen. Hier ein Bild zum Vergleich aus dem Video:

Das zweite Video hat mich dann letztlich für Fastmail überzeugt: Ein Creator zeigt dort, warum er seit über acht Jahren bei Fastmail geblieben ist. Und genau so etwas schafft Vertrauen, nicht irgendein Sponsored Post, sondern jemand, der das seit Jahren wirklich nutzt.

Und genau dort fiel ein Satz, der bei mir hängen geblieben ist: „Fastmail fühlt sich einfach schnell an.“

Das klingt erst mal banal, war für mich aber tatsächlich ein wichtiger Punkt. Ich arbeite beruflich extrem viel mit E-Mails. Suche, Regeln, Weiterleitungen, mehrere Domains und ein sauber funktionierender Arbeitsablauf sind für mich kein Luxus, sondern Alltag. Das hatte bei Gmail Business sowie auch privat im kleinen Kreis zuverlässig funktioniert.

Je tiefer ich mich mit den verschiedenen Diensten beschäftigt habe, desto klarer wurde mir: Viele Zero-Knowledge-Anbieter erkaufen sich ihre Sicherheit mit Komfort. Das ist nicht böse gemeint, das ist technisch einfach die Konsequenz daraus, wenn Daten verschlüsselt sind.

💡
E-Mails bei Proton Mail sind Ende-zu-Ende verschlüsselt, somit kann der Server Nachrichten nicht durchsuchen. Daher muss der Browser oder deine App jede Mail lokal entschlüsseln, was die Suche nach Stichworten oder Inhalten systembedingt verlangsamt (Proton).

Der Punkt mit Zero Knowledge

Mir ist völlig klar, dass es Menschen gibt, die konsequentes Zero Knowledge wirklich benötigen. Investigative Journalisten, politische Aktivisten oder Personen, die in Ländern leben, in denen digitale Kommunikation tatsächlich gefährlich werden kann. Zum Glück gehöre ich nicht dazu.

Und genau deshalb musste ich irgendwann ehrlich zu mir selbst sein:

Brauche ich für meinen normalen privaten und beruflichen Alltag wirklich kompromissloses Zero Knowledge?

Denn je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto mehr wurde mir klar, dass verschlüsselte E-Mails im Alltag oft deutlich komplizierter sind, als viele denken. Wenn ich Proton, Tuta oder Fastmail nutze und eine verschlüsselte Mail verschicke, ist der Transportweg an sich natürlich auch geschützt. Aber spätestens dann, wenn die Nachricht im normalen Gmail-Postfach meines Gegenübers landet, liegt sie dort wieder ganz klassisch lesbar vor.

Kurzer Exkurs zur Transportverschlüsselung von E-Mails:

Understanding email encryption
A comprehensive overview of how email is encrypted, the benefits, and the trade-offs.

Deshalb bieten viele dieser Dienste zusätzlich browserbasierte Kommunikation an. Der Empfänger bekommt dann keine normale Mail, sondern eine Benachrichtigung: „Sie haben eine verschlüsselte Nachricht erhalten.“

Wenn Sicherheit plötzlich Erklärungsbedarf erzeugt

Ein konkretes Beispiel: Ich musste sensible Dokumente an eine Versicherungsagentur schicken, unter anderem einen Arztbrief. Dafür nutze ich tatsächlich Tuta, weil ich solche Dokumente nicht einfach unverschlüsselt per Standard-Mail verschicken möchte.

Also verschickt Tuta eine geschützte Nachricht mit Passwortzugang. Technisch funktioniert das super. Praktisch klingelt dann manchmal das Telefon: „Ich kann Ihre E-Mail nicht öffnen.“

Dann erklärt man erst einmal: „Ja, die Mail ist wirklich von mir. Bitte klicken Sie auf den Link. Das Passwort lautet xyz.“

Und genau dort merkt man: Sicherheit erzeugt manchmal Reibung. Das ist völlig okay, aber man muss ehrlich sagen, dass solche Lösungen nicht immer so bequem funktionieren wie normale E-Mail-Kommunikation. Denn E-Mails sind am Ende immer noch ein wenig wie Postkarten des Internets.

Beispiel Tuta(nota) Mail

So würde eine eMail an den Empfänger aussehen. Bei Tuta (früher Tutanota) kann man zudem direkt wählen, in welcher Sprache diese Nachricht gesendet werden soll.

Der Empfänger loggt sich dann im Browser mit dem Passwort, welches du am besten auf einem anderen Kommunikationsweg zur Verfügung stellst, in eine Art „verschlüsseltes temporäres Postfach“ ein.

Hier könnte in diesem Beispiel dann, die Versicherungsagentur einfach meine Dokumente verschlüsselt herunterladen, oder mir auch etwas zukommen lassen

Beispiel Proton Mail

Proton verzichtet auf die Auswahl der Sprache und bleibt einfach international auf Englisch in seinen Hinweisen.

Die eigentliche Kommunikation findet anschließend genau wie bei Tuta im Browser statt und eben nicht im normalen Mailprogramm.

Bei allen Anbietern kann man auch direkt im Browser verschlüsselt antworten (würde auch sonst keinen Sinn ergeben, oder?).

Das funktioniert technisch gut. Aber es verändert den kompletten Kommunikationsfluss. Für mich als Absender bleibt alles bequem in Proton Mail oder Tuta.

Ansicht Absender in Proton Mail
Ansicht Absender in Tuta Mail

Kurzfazit für verschlüsselte externe eMails

Als Sender der eMail möchte ich sichergehen, dass mein Empfänger auch versteht, was ich von ihm möchte, und zwar erst einmal inhaltlich und unabhängig vom Grad des Schutzes oder davon, ob seine eMails bei Proton, Tuta oder woanders liegen.

Mein Gegenüber dagegen sitzt plötzlich im Browser, klickt auf Links, tippt Passwörter ein oder versteht vielleicht erst einmal gar nicht, warum die Mail „nicht sichtbar“ ist, wie sonst auch.

Hier bedarf es dann ggf. eines Anrufs und weiterer Unterstützung beim ersten Mal mit so einer verschlüsselten Kommunikation. Ich habe meine Versicherungsagentur angerufen und bin das eben durchgegangen. Das Passwort habe ich dann telefonisch übergeben. Für die Zukunft ist dieser sichere Ablauf nun bekannt.

Warum ich trotzdem nicht auf Zero Knowledge umgestiegen bin

Wenn ich konsequente Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wirklich perfekt leben möchte, müssten eigentlich beide Seiten denselben Ansatz verfolgen. Beide müssten passende Dienste nutzen, passende Prozesse akzeptieren und bereit sein, außerhalb klassischer Mailprogramme zu kommunizieren.

Für hochsensible Kommunikation ergibt das absolut Sinn, wie z. B. Journalisten untereinander. Für meinen normalen Alltag wollte ich einen pragmatischeren Weg.

Deshalb nutze ich heute beides: Fastmail für normale private und berufliche Kommunikation und Tuta weiterhin für sensible Dokumente oder spezielle Fälle. Nicht dogmatisch, sondern situationsabhängig.

Warum Australien für mich okay war

Natürlich kam bei Fastmail sofort die Frage: „Moment mal. Australien? Wolltest du nicht eigentlich raus aus dem Übersee-Ökosystem?“

Ja. Absolut. Aber genau deshalb fand ich Fastmail überhaupt erst interessant: Sie sitzen eben nicht in den USA und unterliegen dadurch nicht direkt dem amerikanischen CLOUD Act. Das bedeutet natürlich nicht automatisch perfekte Unsichtbarkeit. Aber es war für mich trotzdem ein bewusster Schritt raus aus der direkten Abhängigkeit amerikanischer Big-Tech-Konzerne wie Google. Und keine Behörde der USA, kann einfach ungefragt in meine eMails schauen.

Hinweis:
US-Unternehmen können unter Gesetzen wie dem CLOUD Act verpflichtet werden, Daten an Behörden herauszugeben. In bestimmten Fällen dürfen Anbieter Nutzer darüber nicht einmal aktiv informieren.

Die Schweiz ist nicht immer die Beste Wahl

Und auch hier habe ich während der Recherche wieder gemerkt: Datenschutz ist nichts Statisches. Gerade in der Schweiz gibt es aktuell politische Diskussionen über neue Überwachungsregelungen. Interessant fand ich deshalb auch einen Nebensatz von Proton rund um ihre Lumos-AI-Themen.

Quelle: https://proton.me/blog/lumo-ai

Dort wurde erwähnt, dass Teile der Infrastruktur künftig in die EU verlagert werden sollen. Die Schweiz galt jahrelang fast automatisch als Synonym für Datenschutz.

Comment
by u/JonahAragon from discussion
in ProtonMail

Und plötzlich merkt man: Selbst solche Rahmenbedingungen verändern sich mit der Zeit.

Warum nun Tuta(nota) und nicht Proton Mail

Wobei ich an dieser Stelle kurz erklären muss, warum es bei verschlüsselten Mails dann Tuta geworden ist und nicht Proton: Ich habe seit Jahren ein Proton-Konto und habe es damals auch bezahlt getestet. Proton ist gut, keine Frage. Aber Proton ist mittlerweile weit über verschlüsselte E-Mails hinausgewachsen. Drive, Docs, Sheets, Pass, VPN, Meet und seit Kurzem sogar Lumo AI.

Und genau da war für mich die Grenze. Ich wollte das Google-Ökosystem verlassen, nicht das nächste Ökosystem betreten. Wer alles bei Proton macht, tauscht im Grunde nur das Logo aus (und natürlich auch mehr Sicherheit und Datenschutz), hängt aber wieder komplett an einem einzigen Anbieter in einem System. Das war nicht mein Ziel. Also E-Mail über Fastmail, verschlüsselte Kommunikation über Tuta, Dateien woanders. Nicht alles an einem Ort, bewusst verteilt.

💡
Kleiner Fun Fact am Rande:
Tuta hieß früher Tutanota, zusammengesetzt aus dem Lateinischen für „sichere Nachricht“. Klingt gut auf dem Papier, im echten Leben aber weniger. Wer jemals versucht hat, am Telefon eine Tutanota-Adresse zu diktieren, weiß, wovon ich rede. Die Umbenennung zu Tuta war also nicht nur Branding, sondern schlicht genial und etwas überfällig.

Der Wechsel von Gmail zu Fastmail

Die Migration war groß und einfacher als gedacht. Was mir bei Fastmail sofort gefallen hat: Sie machen den Wechsel erstaunlich einfach. Es gibt ein integriertes Migrationstool, das bestehende Postfächer direkt übernehmen kann, und Fastmail kann weiterhin Mails von alten Accounts abrufen und regelmäßig synchronisieren. Kein IMAP-Schubsen im Clienten wie früher.

Gerade das war für mich essenziell. Denn realistisch gesehen verschwindet eine alte E-Mail-Adresse nicht einfach von heute auf morgen, dafür hängen zu viele Dienste, Accounts und alte Kontakte daran.

Meine Migration lief deshalb schrittweise. Erst die E-Mails importiert, neue Regeln gebaut, Weiterleitungen eingerichtet, alte Accounts Stück für Stück angepasst und gleichzeitig beobachtet, welche Mails überhaupt noch wo ankommen.

Fastmail: funktional statt fancy

Wer Fastmail zum ersten Mal öffnet, merkt schnell: Das ist kein poliertes UI wie bei Proton Mail. Kein Dark Mode mit Glassmorphism, keine aufwendigen Animationen, nichts, was auf den ersten Blick besonders modern wirkt.

Aber alles ist sofort da: Kalender, Dateien, Notizen, Kontakte, gewissermaßen alles direkt in einer Oberfläche erreichbar, ohne dass man erst eine neue App im Browser laden oder zwischen fünf Tabs hin und her wechseln muss.

Wer Google kennt, weiß, wie das dort läuft: Mail öffnen, dann den Kalender in der Seitenleiste öffnen, oder direkt per Icon öffnen, dann im neuen Tab Google Drive öffnen, dann merkt man, dass man noch einen Tab offen hat, den man gar nicht wollte.

Fastmail fühlt sich dagegen an wie ein Werkzeug, das einfach funktioniert. Nicht besonders fancy und schön um der Schönheit willen, sondern schnell, einfach, sehr funktional, alles direkt im gleichen Fenster. Und genau das schätze ich nach ein paar Tagen schon mehr, als ich erwartet hatte.

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