Thunderbird

Thunderbird kostet nichts, läuft mit jedem Anbieter und hält Deine Mails lokal. Warum der Klassiker gerade für alle interessant wird, die weg von Google wollen.
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Thunderbird im Test: Der Klassiker, der plötzlich wieder spannend ist

Thunderbird hatte lange den Ruf, das Programm zu sein, das man benutzt, wenn man muss. Behördenkeller, alte Firmenrechner, Menschen, die seit 2006 nichts umgestellt haben. Optisch war das jahrelang auch berechtigt.

Seit Mozilla das Projekt 2020 in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert hat und es sich über Spenden finanziert, hat sich das gedreht. Die Oberfläche ist überarbeitet, mit Thunderbird für Android gibt es eine ordentliche mobile Fassung, seit Version 145 spricht das Programm nativ mit Microsoft Exchange, und mit Thundermail baut das Projekt gerade einen eigenen Maildienst mit Servern in Deutschland auf.

Für alle, die gerade Abhängigkeiten von Google und Microsoft abbauen, ist Thunderbird damit interessanter als seit Jahren. Wir haben uns angesehen, was der Umstieg im Alltag bedeutet.

Top-Funktionen

  • Läuft mit jedem Anbieter: IMAP, POP3 und SMTP sprechen mit praktisch jedem Postfach, dazu kommt das modernere JMAP.
  • Exchange ohne Umweg: Seit Version 145 verbindet sich Thunderbird direkt mit Microsoft Exchange, inklusive Anmeldung über OAuth2.
  • Kalender und Adressbuch eingebaut: CalDAV und CardDAV sind an Bord, ein zusätzliches Programm brauchst Du nicht.
  • Verschlüsselung ab Werk: OpenPGP ist fest eingebaut und muss nicht nachgerüstet werden, S/MIME ebenfalls.
  • Beliebig viele Konten: Alle Postfächer in einer Oberfläche, mit gemeinsamem Posteingang.
  • Add-ons: Von Kalenderanbindungen über Filterwerkzeuge bis zu Oberflächenanpassungen.
  • Thundermail: Der eigene Maildienst des Projekts, derzeit in geschlossener Beta, mit Terminplanung und verschlüsseltem Dateiversand im Paket.

Was finden wir gut?

Kostenlos und quelloffen: Kein Abo, keine Nutzerkonten, keine Auswertung Deiner Mails. Das Projekt finanziert sich über Spenden.

Anbieterunabhängig: Fastmail, Proton über die Bridge, mailbox.org, Gmail, Outlook, ein eigener Server. Thunderbird ist eines der wenigen Programme, das Dich in dieser Frage nicht festlegt.

Alles lokal: Deine Mails liegen auf Deinem Rechner. Wenn ein Anbieter dichtmacht oder ein Konto gesperrt wird, hast Du Dein Archiv trotzdem noch.

Die Suche ist schnell: Weil lokal indexiert wird, findest Du auch in Postfächern mit Zehntausenden Nachrichten sofort etwas.

Was gefällt uns nicht?

Die Oberfläche wirkt trotz Überarbeitung altbacken: Wer von Superhuman oder Spark kommt, merkt den Unterschied sofort.

Die Einrichtung verlangt Verständnis: Bei gängigen Anbietern läuft die Erkennung automatisch. Bei einem eigenen Server musst Du Ports und Verschlüsselung selbst kennen.

Exchange nur halb: Mails funktionieren, Kalender- und Adressbuchabgleich über Exchange fehlen noch.

Kein Team-Werkzeug: Geteilte Postfächer, Zuweisungen oder interne Kommentare gibt es nicht.

Keine KI-Funktionen: Wer Zusammenfassungen oder Antwortvorschläge erwartet, ist hier falsch.

Erste Eindrücke & Grundfunktionen

Grundlegende Bedienung

Links die Ordner, oben die Nachrichtenliste, unten die Vorschau. Das Grundprinzip ist seit zwanzig Jahren dasselbe, und wer schon einmal ein Mailprogramm bedient hat, findet sich in fünf Minuten zurecht. Die überarbeitete Oberfläche hat Abstände, Symbole und Dichte modernisiert, ohne die Logik anzufassen.

Thunderbird läuft auf Windows, macOS und Linux. Für Android gibt es eine eigene App, die aus dem übernommenen K-9 Mail hervorgegangen ist. Eine iOS-Fassung wird derzeit entwickelt.

Haupteinsatzgebiete

Thunderbird lohnt sich für alle, die mehrere Postfächer bei verschiedenen Anbietern haben, ihre Mails lokal archivieren wollen oder aus Prinzip auf quelloffene Software setzen. Wer nur ein Gmail-Konto hat und ohnehin im Browser arbeitet, gewinnt dagegen wenig.

Basis-Funktionsübersicht

Mail über IMAP, POP3, SMTP, JMAP und seit Version 145 auch Exchange. Dazu Kalender über CalDAV, Adressbuch über CardDAV, Nachrichtenfilter, Suchordner, Verschlüsselung mit OpenPGP und S/MIME, ein RSS-Leser und Newsgroups. Alles davon ist enthalten, denn Tarifstufen gibt es beim Programm selbst nicht.

Preisübersicht

Grundlegende Preismodelle

Thunderbird ist kostenlos und steht unter der Mozilla Public License. Es gibt keine kostenpflichtige Variante des Programms, keine Funktionen hinter einer Schranke und keine Werbung. Getragen wird die Entwicklung von MZLA Technologies, einer Tochter der Mozilla Foundation, finanziert über Spenden der Nutzerschaft.

Bezahlen kannst Du künftig für Thundermail, den eigenen Maildienst des Projekts. Er läuft auf Servern in Deutschland, basiert auf dem Mailserver Stalwart und unterstützt JMAP neben IMAP und SMTP. Im Paket enthalten sind Appointment für Terminvereinbarungen und Send für verschlüsselten Dateiversand. Du kannst eine Thundermail-Adresse nehmen oder eine eigene Domain mitbringen.

Einen Preis dafür gibt es bisher nicht. Thundermail steckt in einer geschlossenen Beta, zu der seit Mai 2026 wellenweise Personen von der Warteliste eingeladen werden. Das Projekt hat angekündigt, weitere Tarifstufen erst nach dem Ende der Beta festzulegen.

Einstiegsmöglichkeiten

Herunterladen, installieren, Adresse und Passwort eingeben. Bei gängigen Anbietern erkennt Thunderbird die Servereinstellungen selbst. Ein Konto beim Hersteller brauchst Du nicht, und eine Testphase auch nicht, weil es nichts zu testen gibt: Du hast von Anfang an alles.

Zielgruppenübersicht

Hauptzielgruppen

  • Menschen mit mehreren Postfächern bei unterschiedlichen Anbietern
  • Alle, die Abhängigkeiten von Google und Microsoft abbauen wollen
  • Selbstständige und kleine Betriebe ohne Softwarebudget
  • Wer sein Mailarchiv lokal und unabhängig vom Anbieter halten möchte

Typische Anwendungsfälle

  • Umzug vom alten Anbieter: Beide Konten parallel einbinden, Ordner verschieben, fertig. Das ist einer der bequemsten Wege, ein Postfach zu migrieren.
  • Privat und beruflich getrennt: Mehrere Identitäten mit eigenen Signaturen und Absenderadressen in einer Oberfläche.
  • Langzeitarchiv: Alte Mails lokal ablegen und aus dem Onlinepostfach löschen, ohne sie zu verlieren.

Ist diese App es wert?

Die Frage stellt sich anders als sonst, weil nichts zu bezahlen ist. Du investierst statt Geld etwas Einarbeitungszeit und lebst mit einer Oberfläche, die nicht schön ist. Dafür bekommst Du volle Kontrolle über Deine Mails und bist an keinen Anbieter gebunden. Für alle, die gerade ihre digitale Infrastruktur aufräumen, ist das ein sehr gutes Geschäft.

ℹ️
K.I. Hinweis: Bei der Entstehung dieses Testberichtes, wurde künstliche Intelligenz als unterstützendes Werkzeug eingesetzt.

Alternativen zu dieser App?

Wer Geschwindigkeit über alles stellt und ohnehin bei Google oder Microsoft liegt, findet in Superhuman das schnellere Programm, zahlt dafür aber 30 Dollar im Monat und bindet sich an einen Anbieter. Auf dem Mac ist Mimestream eine sehr schlanke Alternative, allerdings nur für Gmail. eM Client bietet unter Windows mehr Politur und eine kostenlose Variante für private Nutzung. Und wenn Dein Problem nicht das Programm ist, sondern die Menge an Nachrichten, sortiert SaneBox anbieterunabhängig vor.

Erwähnenswert ist außerdem Betterbird, ein Ableger von Thunderbird, der Fehlerkorrekturen und zusätzliche Einstellungen schneller ausliefert.

Fazit

Thunderbird ist das Programm für Leute, die ihre Mails besitzen wollen. Es sieht nicht so gut aus wie die Bezahlkonkurrenz und arbeitet nicht so schnell, aber es legt Dich auf keinen Anbieter fest und kostet nichts.

  • Vorteile: kostenlos und quelloffen, läuft mit jedem Anbieter, lokales Archiv, Verschlüsselung eingebaut
  • Nachteile: altbackene Oberfläche, Einrichtung braucht Wissen, Exchange nur für Mail, keine Teamfunktionen

Preiseinschätzung: Nicht zu schlagen. Was Du investierst, ist Zeit.

Wenn Du gerade über einen Anbieterwechsel nachdenkst, lade Dir Thunderbird herunter und binde beide Postfächer parallel ein. Der Umzug wird damit deutlich entspannter.

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Bei einem kostenlosen Programm lautet die Frage nicht, ob es sein Geld wert ist, sondern ob es Deine Zeit wert ist. Wir haben uns angesehen, für wen sich die Einarbeitung lohnt und wer besser bei seiner Weboberfläche bleibt.

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